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Ein Sturm der Entrüstung ging vor einiger Zeit durch Deutschland. Google setzt auf sein Projekt "Google Earth" noch eins drauf und fotographiert nun Straßen, Häuser, Menschen und Autos - alles drei dimensional. "Google Streetview" nennt sich die neue Idee aus dem Hause des Suchmaschinenanbieters. Das Ziel soll eine komplette Katographierung der Welt sein, ähnlich wie durch "Google Earth" bereits von oben geschehen. Doch dagegen regen sich viele Organisationen und Privatbürger. Die ganze Welt in 3D zu sehen ist ja schön und gut, aber doch bitte, ohne, dass man mein Haus dabei erkennen kann!
Die Menschen wollen wissen, was bei ihren Mitbürgern vor sich geht. Dahinter steckt weniger neugieriges Interesse, als die Hoffnung, etwas Schockierendes zu entdecken. Während die Privatsender dieses Verlangen bereits seit einiger Zeit mit so genannten Doku-Soaps zu bedienen wissen, möchte auch Google auf dieses Pferd aufspringen. Warum auch nicht, verspricht man sich davon doch eine gute Nebeneinnahmequelle. Inzwischen ist es technisch möglich, zumindest alle Städte abzufotographieren und digital zur Verfügung zu stellen. Die Frage bleibt allerdings, worin der Nutzen liegen soll. Ganz einfach: Es gibt keinen. Zumindest keinen, der über Neugier hinaus geht. Aber, wenn man ganz ehrlich einmal überlegt, wie viele andere Produkte und Institutionen in der Gesellschaft ebenfalls ohne erkennbare Nützlichkeit existieren, wird schnell klar, dass dies kein Argument gegen "Google Streetview" sein kann. Schließlich reagiert die Firma nur auf einen sich schon lange entwickelnden Trend und schafft gleichzeitig die nächste Stufe: Das Ausspionieren im großen Stil. Wer wohnt wie? Was für ein Auto steht vor dem Haus? Wie sieht denn so die Umgebung aus? Aber da der Kunde, der dieses Angebot auf eben beschriebene Art und Weise nutzt, natürlich nicht dumm ist, weiß er, dass seine "Feinde" es ihm gleich tun können. Und da hört schließlich der Spaß auf. Deswegen setzt man sich, mit Hilfe der Politik, vehement dafür ein, dass die Frist für einen Einspruch, mit dem man sein Haus aus der "begehbaren Karte" entfernen kann, verlängert wird. Mit Erfolg, die Bevölkerung hat nun einige Wochen mehr Zeit, sein Haus unkenntlich machen zu lassen. Zwar besteht die Einspruchsfrist nicht erst seit gestern, sondern seit einem Jahr und Google kündigte an, auch nach Ablauf der offiziellen Zeitspanne auf diese Wünsche einzugehen, aber so kann sich die Politik zumindest auf die Fahnen schreiben, etwas für die Persönlichkeitsrechte getan zu haben. Dass innerhalb der aktuellen Regierung seit Jahren diskutiert wird, ob nicht alle öffentlichen Plätze videoüberwacht werden sollen und die CIA sich die Kontobewegungen der Europäer anschauen darf, sei dabei einmal außen vor gelassen. Damit möchte ich nur ausdrücken, dass sich die Politik zuweilen wie eine Fahne im Wind verhält, die sich je nach öffentlichem Druck wunderbar drehen kann. Die voyeuristischen Kämpfer für ein weiterhin anonymisiertes Eigenheim sehen sich durch die Hilfe der Politiker allerdings nur weiter bestätigt.
Ich halte das neue Projekt von Google schlicht für eine konsequente Fortführung des durch "Google Earth" eingeschlagenen Weges und wer sich darüber aufregt, sollte zu erst einmal darüber nachdenken, was er am Nachmittag im Fernsehen schaut. Richtersendungen? Talkshows? Die vermeintlichen Dokumentationen über asoziale und mit dem Leben überforderte Teenager-Mütter? Das voyeuristische Interesse, die Skandale des Umfeldes mitzuerleben, wird schlichtweg auf eine größere Ebene gesetzt - mit der Gefahr, dass man selbst hinein rutscht. Wer sich jetzt beschwert, sollte konsequent sein und komplett aus diesem Intrigen-Informations-Strudel aussteigen. Ansonsten werden große Firmen, Google oder welche auch immer, nicht aufhören, das Interesse am Leben der Anderen auf höhere, noch schockierendere Ebenen zu führen. Schließlich lässt sich damit leicht Geld verdienen. Nur: was soll das Ziel so einer Entwicklung sen?
Ich möchte dabei keinesfalls die Wirkung von "Google Streetview" hochstilisieren. Es ist mit Sicherheit kein Produkt, das die Menschheit in ihren Grundfesten erschüttern wird. Mir geht es nur um die Heuchelei einiger Menschen, selbst bester Kunde so eines Programmes zu sein, sich aber mit allen Mitteln dagegen zu wehren, wenn das eigene Haus fotographiert werden soll. Ab einer gewissen Ebene kann man eben nicht mehr nur konsumieren ohne etwas dafür zu "geben", da heißt es: Ganz oder Gar nicht. Dabei rede ich nicht einmal von auf der Straße abgelichteten Personen (Nummernschilder werden sowieso ausreichend unkenntlich gemacht). Dass es niemanden etwas angeht, wer wo unterwegs ist, sehe ich noch irgendwo ein - obwohl die Gefahr, gesehen zu werden, auf öffentlichen Plätzen sowieso immer besteht, warum also nicht auch im Internet? Doch wer sich bei seinem kleinen unscheinbaren Haus dermaßen aufregt, dass die Folge wochenlange Debatten über das Für und Wider des gesamten Projektes ist, hat entweder wirklich etwas zu verbergen oder steckt selbst bereits so tief in dem voyeuristischen Sumpf, dass er lediglich von sich auf andere schließt - mit dem Ergebnis, dass es in jedem Falle unterbunden werden muss, das eigene Haus zu zeigen.




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